11.05.2026 Benjamin Buck

  • ETH Zürich
  • Konferenz
  • KI-Integration

Science Friction:
Encounters with ETH Zürich

"Social Encounters with Artificial Others: Linguistic, Emotional, and Cognitive Relationality in Contemporary Human–AI Interaction". So lautete der Titel einer internationalen Fachtagung der Universität Zürich und beschreibt wesentliche Aspekte, die bei der Entwicklung unserer KI-Integrationen regelmäßig eine Rolle spielen. „Da könnten wir was lernen und was beitragen“, haben wir uns gedacht und die Einladung, einen Workshop im Rahmen der Veranstaltung auszurichten, neugierig angenommen.

Da wo der Einstein

Vorbei an einem der über 1000 Trinkwasserbrunnen der Schweizer Finanzmetropole, durch die eindrucksvolle Säulenhalle, entlang etlicher Seminarräume und einiger Hörsäle, endete unsere Anreise schließlich in Papierfliegerwurfweite zum Thomas-Mann-Archiv im Herzen der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich unter der Kuppel aus der Feder Gottfried Sempers, die sich lässig (sagt man doch so in der Schweiz?) über den Zürichsee erhebt. Womöglich hat Einstein hier auch schon die ein oder andere Latrinenparole auf eine Toilettentür gekritzelt. Studiert hat er hier jedenfalls, so lernen wir später im Rahmen einer Stadtführung. Zugegeben, wir waren beeindruckt, bevor es auch fachlich spannend wurde.

Schon beim Treffen und Grüßen der anderen Speaker zeichnete sich wieder einmal ab, wie vielschichtig das Thema künstliche Intelligenz ist. LinguistInnen, PsychologInnen, Verhaltensforschende und andere SpezialistInnen hatten ihre Forschungsergebnisse im Gepäck, um sie mit Fachpublikum feldübergreifend zu diskutieren.

Wir brachten, wie schon bei der Ars Electronica 2025 in Linz, Praxiserfahrung und KI zum Ausprobieren mit. "Human-Machine Teamwork: Al Assistants for Effective Use in Organizations" hieß der Workshop, den ich mit Adrian Rudershausen zusammengestellt und für die Teilnehmenden der Veranstaltung im Reisekoffer hatte. "Designing for Adoption: How Social Cues Shape the Success of Human-Al Collaboration in Organisations" lautete die passende Einführung, die wir am Vortag angeboten hatten.

Wie soll das?

Mit welcher Brille schauen die unterschiedlichen WissenschaftlerInnen auf künstlich intelligente Systeme? Was wären Bewertungskriterien, die sowas wertvoll und erfolgreich in der Anwendung machen? Welche Erwartungen und K.-o.-Kriterien ergeben sich aus Sicht unterschiedlicher Wissenschaften und neuester Forschung? Das sind die Fragen, die Adrian und ich mit dem internationalen Fachpublikum bearbeitet und an Produktivsystemen ausprobiert haben.

Zunächst erfolgte eine kurze Einführung von AVA, einer KI-gestützten Zielgruppenemulation für das Stadtmuseum Oldenburg, entwickelt als virtueller Sparringspartner bei der Evaluation neuer Ausstellungskonzepte und der Schärfung von Öffentlichkeitsarbeit. Eine weitere gab es für den VHS-Bot, eine künstlich intelligente Schnittstelle für datengestützte Planung von Angeboten zur Erwachsenen- und Weiterbildung in natürlicher Sprache durch Mitarbeitende der Volkshochschulen Baden-Württemberg.

Entlang im Workshop entwickelter Kriterien wie Instruktionstreue, System-Prompt-Adhärenz, Einhaltung von Datenschutzvorgaben oder Quellentransparenz bot schließlich ein Live-Stress-Testing der beiden KI-Systeme eine handfeste Grundlage und den Ausgangspunkt für eine Anschlussdiskussion über praxisrelevante Aspekte der KI-Integration.

Science Friction? Gerne.

Gründe, den Hut in den Ring einer akademisch geprägten Fachtagung zu werfen, um praktische Anwendungen dem kritischen Blick der datengetriebenen Wissenschaften auszusetzen, gibt es gleich mehrere gute.

Neben vielen wertvollen Log-Files, die bei der Evaluation und Weiterentwicklung unserer KI-Systeme helfen, entstehen Kontakte zu tollen Menschen, die unser Expertennetzwerk und den Horizont auf das immer noch junge Feld der KI-Integration erweitern. Wie man künstliche Intelligenz erfolgreich in den Praxisalltag von Organisationen und Unternehmen integriert, ihre Akzeptanz und den produktiven Nutzen maximiert oder welche Evaluationskriterien neben den offensichtlichen eine Rolle spielen, verstehen wir jetzt wieder ein bisschen besser. Und wir kommen gerne wieder.

Vielen Dank an die außergewöhnliche Schweizer Gastfreundschaft, eine tolle Stadt und neben den vielen Teilnehmenden ans nette Team des Universitätsbetriebs für drei aufschlussreiche Tage im Nachbarland, sportliche Diskussionsrunden und tolles Feedback. Die ETH Zürich ist eine der zehn besten technischen Universitäten der Welt. Das glauben wir gerne.