05.10.2026 Marthe Trottnow

  • Ars Electronica
  • Workshop

Persönlichkeit ist kein Prompt

Einem Sprachmodell eine Rolle zu geben, ist heute relativ einfach: Wir definieren Aufgaben, überlegen uns Eigenschaften und eine Hintergrundgeschichte, legen einen Sprachstil fest und schon antwortet uns ein freundlicher Guide oder ein feueraffiner Bibliotheksdrache. Aber reicht das für einen glaubwürdigen Character? In einem Experiment auf der Ars Electronica haben wir gemerkt: Ganz so einfach ist es nicht.

In unserem Character Lab haben Festivalbesucher:innen eigene digitale Companions entwickelt und anschließend direkt mit ihnen gesprochen. Den Sprung vom Papier zum Dialog ermöglichte ein eigens dafür entwickeltes Tool, das die Character-Entwürfe in dialogfähige Prototypen überführte.

Ein guter Companion darf auch unbequem sein

Bevor es ans Prototyping ging, wollten wir zunächst wissen: Was erwarten Menschen überhaupt von einem solchen Companion?

Viele Teilnehmende wollen eher herausgefordert als umsorgt werden. Sie möchten neue Menschen kennenlernen und sich intensiver mit einzelnen Kunstwerken beschäftigen. Bei Überraschungen gingen die Wünsche dagegen auseinander. Einige wünschen sich vor allem Orientierung, um bei dem riesigen Programm die FOMO in den Griff zu bekommen.

Vom Entwurf zum Prototyp

Aus diesen Überlegungen entstanden ziemlich unterschiedliche Figuren. Zum Beispiel eine Wolke aus Energie, die unendliche Power hat, die motiviert und mitreißend neue Erfahrungen ermöglicht. Oder ein Drache, der früher in einer Bibliothek gearbeitet hat, bis dort ein Bücherregal brannte, und der jetzt Besucher:innen hilft, ihre eigene Interpretation von Kunstwerken zu finden.

Auf dem Papier waren diese Characters schnell greifbar. Einige Details reichten, um eine Vorstellung davon zu bekommen, wer diese Figuren sind und wie sie sich verhalten könnten. Diese Entwürfe überführten die Teilnehmenden anschließend mit unserem Tool in erste dialogfähige Prototypen.

Wie viel Charakter bleibt im Gespräch?

Im Chat zeigte sich dann eine interessante Lücke: Einige Characters, die auf dem Papier noch eigenwillig und charmant wirkten, verloren im Dialog einen Teil dieser Eigenschaften. Sie wirkten zum Teil etwas leblos und antworteten schnell generisch.

Genau darin liegt aber auch der Wert dieser frühen Prototypen. Beim Testen tauchen weitere Fragen und Bedürfnisse auf. Und danach geht die Arbeit eigentlich erst richtig los.

Characterdesign bleibt Characterdesign

Characterdesign ist eben immer noch Profi-Arbeit. Deshalb könnte es sinnvoll sein, solche Companions in Co-Creation mit Schriftsteller:innen, Regisseur:innen, Designer:innen oder Künstler:innen zu entwickeln. Mit Menschen, die wissen, wie Figuren Tiefe und eine eigene Stimme bekommen.

Vielleicht müssen wir auch grundsätzlicher darüber nachdenken, welche Rolle ein KI-Companion auf einem Festival überhaupt spielen soll. Einen Assistenten, der das Programm runterbetet, braucht es auf der Ars Electronica vermutlich nicht. Interessanter wird es, wenn der Companion selbst Teil der Erfahrung oder sogar zum eigenständigen Kunstwerk wird.